Jobfux Katharina Aulmann

Die europäische Union und das Ministerium für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Demografie Rheinland-Pfalz fördern das Projekt „Jobfux“ aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds.

  

 

 Katharina Aulmann 
seit 2005 Jobfux an der Marion-Dönhoff-Realschule plus

 

 

 

 

60 Jahre ESF…
…12 Jahre Jobfux in Wissen/Gebhardshain

Wer ist der Jobfux?

Seit April 2005 arbeitet Frau Katharina Aulmann als „Jobfux“ an der Marion-Dönhoff-Realschule plus. In ihrem gut vernetzten Fux-Bau – pardon: Büro – laufen alle Fäden zusammen, die unsere Schülerinnen und Schüler zu ihrem Traumberuf, einem Ausbildungsplatz oder einem Praktikum führen können.

Zu ihrem eigenen Berufsweg berichtet Frau Aulmann:

Da habe ich Kunterbuntes zu bieten: Nach dem Abitur zunächst ein Musikstudium, später Weiterbildungen in Suggestopädie, ein Fernstudium „Erwachsenenbildung“. Gearbeitet habe ich als Sängerin, als Dozentin in der Erwachsenenbildung, als Bewerbungscoach. Während meiner Arbeit in einem Arbeitsmarkt-Informations-Centrum (AMIC) entstand 2003 der Kontakt zur Hauptschule in Wissen, die mich dann gemeinsam mit der Westerwaldschule Gebhardshain über das ESF-Programm „Jobfux“ des Landes Rheinland-Pfalz einstellte. An allen diesen Stationen habe ich stets gern gemacht, was ich tat. Fragen des Berufsweges sollten nicht in erster Linie nach Sicherheit und Einkommen ausgerichtet werden. Viel wichtiger sind meiner Meinung die Neigungen und Talente eines Menschen: diese zu finden, zu fördern und in berufliche Aktivität zu führen, zahlt sich nicht nur in Geld aus, sondern auch in Erfolg und Zufriedenheit!

Wo ist der Jobfux?

Der Jobfux arbeitet für die Marion-Dönhoff-Realschule plus in Wissen und für die Westerwaldschule Gebhardshain.

Jobfux-Büro in Wissen:
Marion-Dönhoff-Realschule plus
Pirzenthaler Straße 46
Raum A001
57537 Wissen

02742 – 91 36 17 113
jobfux@mdrsp.de
Schulsekretariat: 02742 – 3097

 

Jobfux-Büro in Gebhardshain:
Westerwaldschule
Steinebacher Straße 12
57580 Gebhardshain

02747 – 911 995
jobfux@ww-schule.de
Schulsekretariat: 02742 – 2404

 


Üblicherweise ist der Jobfux montags und dienstags in Wissen,
donnerstags und freitags in Gebhardshain,
mittwochs mal hier mal dort, oft auch unterwegs z.B. bei Arbeitgebern…

 

Und wenn der Jobfux mal gar nicht zu finden ist, hinterlassen Sie eine Nachricht im jeweiligen Schulsekretariat.
Selbstverständlich können Sie mich auch mobil erreichen:
0160 – 97 34 26 24.

Jobfux & Schüler

Der Jobfux arbeitet mit Schülerinnen und Schülern der Klassenstufen 8 und 9 im Berufsreifezweig und bietet bis zum Schulabschluss regelmäßige und umfassende Unterstützung bei der Entscheidungsfindung und -verwirklichung im Übergang von Schule zu Beruf. Beratungen und Trainingsangebote finden teilweise im regulären Unterricht statt (z.B. Deutsch), oft aber auch im Einzelgespräch unter vier Augen…

  • Erarbeiten eines genauen Zeitplans:Was muss ich bis zum Beginn meiner Ausbildung alles tun?
  • Vermittlung, Organisation und Betreuung der Praktika der 8. und 9. Klassen
  • Informationsquelle Internet: Wo finde ich Ausbildungsplätze und/oder weiterführende Schulen?
  • Bewerbertraining im Klassenverband:
    Berufskunde (es gibt über 300 Lehrberufe in Deutschland!)
    Stellensuche – WO und WIE?
    Stellenangebote gut durchlesen und verstehen, Bewerbungsunterlagen und Bewerbungsbriefe individuell und authentisch verfassen, persönliche Ausstrahlung und Körpersprache (Vorstellungsgespräche!), Vorbereitung auf Auswahltests, überzeugend und sympathisch telefonieren
  • Individuelle Bewerbungshilfe
  • Regionale Branchenkenntnis:
    In welchen Branchen wird mein Wunschberuf angeboten?
    Ist diese Branche in unserer Region überhaupt vertreten?
  • Initiativbewerbungen
  • Begleitung zu Betrieben
  • Individuelle Hilfe beim Finden von Ferienjobs und zusätzlichen, freiwilligen Praktika
  • Betreuung der Schülerinnen und Schüler im „Praxistag“ in Kooperation mit den Klassenlehrern und dem Praxistagkoordinator
  • Betriebsbesichtigungen und Kurzpraktika in Kleingruppen
  • Für die Abgangsklassen: Organisation zusätzlicher Angebote mit externen Dozenten
  • Gemeinsame Erkundung der BF1-Klassen in der BBS Wissen.

Jobfux & Arbeitgeber

Das zweite große Arbeitsfeld für den Jobfux ist die Beratung und Unterstützung der regionalen Betriebe bei der Auswahl von geeigneten Bewerbern – und natürlich die stete Bitte um regelmäßige und/oder zusätzliche Praktikums- und Ausbildungsplätze. Dies ist eine besonders sensible Aufgabe, denn der Jobfux muss sowohl die Wünsche des Betriebs als auch die Stärken und Schwächen des Schülers/Bewerbers sehr gut kennen, damit die Vermittlung zu beiderseitiger Zufriedenheit führt: für den Schüler soll es ein guter Schritt auf dem Weg in die passende berufliche Zukunft sein, und für den Betrieb und seine Mitarbeiter soll sich bestätigen, dass sie sich auf das Urteil des Jobfuxes verlassen können – damit sie auch weiterhin gern die vorgeschlagenen Bewerber wohlwollend prüfen. Der Jobfux…

  • pflegt engen und regelmäßigen Kontakt zu Industrie-, Handels-, Dienstleistungs- und Handwerksbetrieben der Region
  • besucht Betriebe persönlich, um sich über deren Aufgabenspektrum und die möglichen Ausbildungswege zu informieren
  • erkundigt sich nach den Erfahrungen der Betriebe mit den Azubis der vergangenen Jahre
  • informiert sich über schulische und sonstige Leistungsanforderungen der Betriebe
  • bittet um Praktika und Lehrstellen
  • schlägt geeignete Schüler für offene Stellen und Ausbildungsplätze vor
  • bittet darum, Betriebsbesichtigungen zu ermöglichen
  • organisiert Betriebsbesichtigungen
  • und begleitet die Schulpatenschaften.

Jobfux & Lehrer

Die Beratungs- und Trainings-Angebote sollen optimal mit den Unterrichtsinhalten und dem organistorischen Ablauf in der Schule abgestimmt sein. Daher tauscht sich der Jobfux regelmäßig mit den Lehrerinnen und Lehrern aus und…

  • nimmt an Konferenzen teil
  • gestaltet Unterrichtsinhalte mit und unterrichtet teilweise auch selbst
  • bespricht mit Fachlehrern Begabung und Leistungsfähigkeit in bestimmten Fächern, die für einen bestimmten Berufsweg oder eine konkrete Ausbildungsstelle wichtig sind.

Jobfux & Eltern

Oft haben auch Eltern Fragen und Wünsche an den Jobfux. Oder Schüler bitten den Jobfux, bestimmte Themen mit ihren Eltern zu besprechen. Der Jobfux…

  • führt Einzel-Erstgespräche mit allen Eltern der Klassenstufe 8 (zeitlicher Umfang 1 Zeitstunde; Erstellen eines individuellen „Fahrplans“)
  • beteiligt sich an Elternabenden
  • organisiert Themen-Elternabende, in denen es um die berufliche Zukunft der Schüler geht (z.B. „Eltern als Berufswahlbegleiter“)
  • macht auch Hausbesuche bei einzelnen Schülern, um die individuelle Unterstützung zu geben oder als „Schlichter“ bei Meinungsverschiedenheiten zur beruflichen Zukunft

Das Jobfux-Büro als Informationszentrale

Das Jobfux-Büro soll für Schüler (und Lehrer) eine Informationszentrale rund um Bewerbung, Ausbildung und Beruf sein. Dafür muss eine regelmäßig gepflegte und aktualisierte Auswahl an Literatur, Nachschlagewerken, regionalen Wirtschafts- und Bildungsinformationen usw. bereitstehen. Selbstverständlich sammelt, sichtet und sortiert der Jobfux auch Stellenangebote. Noch ein paar Stichworte:

  • Informationsbeschaffung und -auswertung: Ausbildungsmarkt, weiterführende Schulen, Förderangebote…
  • Rundschreiben an Schüler, Lehrer, Eltern
  • Kontakt zu allen öffentlichen Stellen und Gremien, die Informationen und/oder Unterstützung bieten: andere Schulen, Verbandsgemeinden und ihre Arbeitskreise, Berufsberatung der Arbeitsagentur, HWK und IHK, Vermittlungsdienste für FSJ und FÖJ, andere Jobfüxe, CJD Wissen, Berufsschulen, Caritas, Wirtschaftsförderungsgesellschaft des Kreises Altenkirchen, Jugendamt, Heime,…
  • Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
  • Organisation von Veranstaltungen, Teilnahme an Veranstaltungen (z.B.Tag der Studien- und Berufsorientierung, Schulpatenforum, Metallerlebnistag)

Jobfux & Zukunft

Der Jobfux und die Schulen unterstützen in vielerlei Hinsicht sehr effektiv Schülerinnen und Schüler bei ihrer Berufswahl und damit bei der weiteren Lebensplanung nach der Schulzeit. Beispiele hierfür gibt es ohne Zahl; zwei seien exemplarisch genannt:

Monika zeigte schon in jungen Jahren ein Talent für das Zeichnen und Malen – sie schaffte den Weg vom Berufsreifezweig in die Realschulklasse, nahm privat Zeichenunterricht und bewarb sich mit Hilfe des Jobfuxes immer wieder erfolgreich um Praktika in gestalterischen Berufen. Schlussendlich bekam sie einen Ausbildungsplatz zur Gestaltungstechnischen Assistentin an einer Fachschule, schloss eine Ausbildung zur Mediengestalterin an und studiert heute Grafikdesign. Ohne die weitreichenden Kontakte des Jobfuxes, den unermüdlichen Eifer der Schülerin, die sachkundige Unterstützung des privaten Zeichenlehrers und der Familie, die Monika stets ermutigte, ihren Weg zu gehen, hätte das nicht gelingen können.

Florian begann eine Ausbildung zum Gebäudereiniger. Heute ist er Chef eines 20 Mitarbeiter führenden Unternehmens und verdient sicher gut und gerne das Doppelte mancher Mitschüler von einst.

Das sind zwei ganz unterschiedliche Beispiele. Was ihnen aber gemeinsam ist: Diese zwei jungen Leute haben ihre Talente erkannt und genutzt. Ihr Weg war nur möglich, weil sie interessiert, aktiv und fleißig waren. Sie träumten nicht von künftigen Chancen, großem Geld und Ansehen, sondern sie lebten im Hier und Jetzt. Das muss nicht heißen, dass sie in ihren Lehrberufen den Rest ihres Arbeitslebens verbringen werden. Aber gewiss werden sie auch in Zukunft ihre Chancen zur Weiterentwicklung wahr- und annehmen.

Um so bedauerlicher ist es, wenn einige Schülerinnen und Schüler angebotene Wege nicht wahrnehmen und aus eigener Motivation erproben…

Der Jobfux sagt:


„Mit großem Bedauern, manchmal mit Sorge und gelegentlich auch mit gewissem Ärger stelle ich zum wiederholten Male fest, dass ein zu großer Teil der Informationen und Hilfestellungen, die ich gebe, nicht genutzt und weiterverwendet wird. Insofern mache ich noch einmal aufmerksam: Grundsätzlich ist das vorletzte Schuljahr eines jeden Schülers/einer jeden Schülerin die Phase, in der man sich darüber orientieren sollte, wie es denn nach dem Schulabschluss weitergehen kann: Duale Ausbildung, Schule, FSJ, FÖJ, …? Die Schule investiert hier eine Menge Zeit. Unter anderem gebe ich im Unterricht und außerhalb schriftlich und mündlich eine Vielzahl an Informationen, vom Umgang mit Internetdatenbanken über Training für schriftliche Bewerbungen, Ermöglichung von Workshops am „Tag der Studien- und Berufsorientierung“, zusätzlichen Praktika, Betriebsbesichtigungen und Metallerlebnistag bis hin zur persönlichen Beratung unter vier Augen. Hierzu muss ich aber schon sagen, es geht mir nicht anders als jedem Fußballtrainer und jedem Klavierlehrer: Ich kann die Dinge bekannt machen, veranschaulichen und erklären – weiter am Thema arbeiten und üben muss der Schüler selbst!

Im letzten Schuljahr (und schon etwas vorher) sammle ich Stellenangebote, sei es in Zeitungen, sei es durch die persönlichen Kontakte zu Betrieben, die ich mir in den vergangenen Jahren erarbeitet habe. Diese Stellenangebote gelangen per Fotokopie bis in die Klassen – man müsste sie aber lesen! (Aktuell liegen in den Abgangsklassen sicher nicht unter 100 Angebote!) Und wenn man dann etwas gefunden hat, müsste man Bewerbungen schreiben. Gern auch mit meiner Hilfe, ich habe das tausendfach angeboten. Wie und wo man darüber hinaus im Internet Angebote sucht, wissen die Schüler bereits seit der Vorentlassklasse. Das aber ist Schülerarbeit! Ich kenne keinen einzigen Schüler mehr, der keinen Internetzugang hat.

Die Frage, welchen Berufsweg man einschlagen möchte, ist im Übrigen auch dann relevant, wenn man zunächst eine weiterführende Schule besuchen, gar studieren möchte. Irgendwann kommt für jeden der Tag, wo er Gelerntes beruflich ausführen und damit Geld verdienen muss. Und auch die Wahl der Schule (es gibt allein im Kreis AK zwölf verschiedene Varianten) stellt Weichen für jegliches weitere Lernen.

Wer mich kennt, der weiß, dass ich eine leidenschaftliche Verfechterin der dualen Ausbildung bin. Dies aber nicht wegen eines persönlichen „Spleens“, sondern aus ganz sachlichen Gründen. Haben Sie mal darüber nachgedacht, warum es heutzutage so viele „Duale Studiengänge“ gibt? In uferlos vielen Betrieben höre ich, dass ein Mensch, der den Weg vom Zerspanungsmechaniker über den staatlich geprüften Techniker bis zum Ingenieur (duales Studium!) absolviert hat, viel interessanter und wertvoller ist, als ein „reiner Student“. Gleiches gilt für nahezu alle Handwerksberufe. Ich wage überdies die Behauptung: Wer heute ein Handwerk wie Maler/Lackierer, Straßenbauer, Fliesenleger, Metzger oder Dachdecker vernünftig erlernt und fleißig ist, der kann in dreißig Jahren Millionär sein. Warum? Weil diese Leute uns die Preise diktieren werden. Wenn jetzt keiner mehr Maler lernt, weil er ja glaubt, er könne nur in einem akademischen Beruf wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Erfolg haben, werden wir die Maler, die es dann noch geben wird, teuer bezahlen müssen. Die Industrie 4.0 löst nicht alle Probleme!

Zum Schluss noch zwei positive Beispiele:

Kürzlich besuchte ich mit einer Gruppe von Schülern einen kunststoffverarbeitenden Betrieb in der Region. Die Schüler lernten alle Berufe kennen, die dort ausgebildet werden – verknüpft mit konkreten Angeboten für den Sommer 2017. Drei von den sieben Berufen wurden uns von ehemaligen Schülern der Realschulen plus in Gebhardshain und Wissen präsentiert. Ich habe alle drei gefragt, ob sie es wieder so machen würden und sah in strahlende Gesichter. Der Ausbildungsleiter bestätigte: „Das sind die Leute, die wir hier dauerhaft am Standort halten wollen. Wir werden sie auf ihrem Weg ständig begleiten und unterstützen, auch bei allen Weiterbildungen. Und ein Betrieb wie unserer, der weltweit arbeitet, eröffnet für fähige Mitarbeiter selbstverständlich auch Wege an die Standorte in den USA oder China.“

Ein anderes Beispiel: Im Sommer 2011 verließ unsere Schule ein Schüler mit dem Abschluss der Berufsreife und begann sofort seine Ausbildung zum Bäcker. Gleich im Anschluss an die Gesellenprüfung absolvierte er noch die Ausbildung zum Konditor (verkürzt, weil er ja schon Bäckergeselle war). Seit August 2016 ist er in einer Bäckermeisterschule, die er in diesen Tagen abschließen wird. Er bat mich privat um Hilfe bei einer sehr speziellen Bewerbung… wir haben es geschafft: Ab Februar 2017 wird er für ein Jahr in den USA als Bäckermeister in einer nach deutschen Traditionen arbeitenden Bäckerei arbeiten. Danach geht er auf ein Kreuzfahrtschiff und bereist kochend und backend die Welt.“

Es lohnt sich, in die berufliche Zukunft Zeit und Mühe und viele Gedanken zu investieren!

Katharina Aulmann